Wien (OTS) – Der Personalmangel in der Pflege ist lösbar. Eine neue,
erstmals in
Österreich durchgeführte Studie zeigt: 34 Prozent der Teilzeitkräfte
würden mehr Stunden arbeiten, im Schnitt fünf Stunden pro Woche. Das
entspricht dem Potential von rund 4.000 zusätzlichen Pflege- und
Betreuungspersonen. Damit ließe sich der Mehrbedarf an Pflege- und
Betreuungspersonal decken. Voraussetzung sind bessere
Rahmenbedingungen. Sie sind der Weg aus der Pflegekrise.
„Die Pflege- und Betreuungskräfte sind da! Sie brauchen nur die
richtigen Arbeitsbedingungen“, betont Caritas-Präsidentin Nora
Tödtling-Musenbichler. „Wir reden seit Jahren über fehlende
Pflegekräfte. Unsere Studie zeigt: Die Menschen sind da. Viele wollen
mehr arbeiten. Aber sie können nicht, weil die richtigen
Rahmenbedingungen fehlen. Die richtigen Rahmenbedingungen sind der
Weg aus der Pflegekrise: Ohne langwierige Ausbildung oder teures
Recruiting können wir hier schnell und machbar das Potenzial von fast
4.000 Fachkräften heben.“
Politik muss jetzt handeln
Caritas Wien-Direktor Klaus Schwertner: „Unsere Mitarbeiter*innen
erleben ihren Beruf als erfüllend und sinnstiftend. Doch der Wunsch
nach besseren Rahmenbedingungen ist eindeutig. Als Arbeitgeberin
haben wir viele Schritte gesetzt. Doch unsere Möglichkeiten sind
begrenzt. Es geht um weiter reichende Reformen, die von Bund, Ländern
und Sozialversicherungsträgern angegangen werden müssen. Mehrarbeit
muss attraktiver werden, Dienstpläne müssen halten, Digitalisierung
muss die Pflegekräfte entlasten. Wenn wir nicht wollen, dass die
Pflege selbst zum Pflegefall wird, muss die Politik jetzt handeln.
Die Pflege ist systemrelevant – too big to fail.“
Wissenschaft bestätigt: Potential ist enorm
Univ.-Prof. Dr. Gerhard Müller vom Institut für
Pflegewissenschaft (UMIT TIROL): „Unsere Analyse zeigt: Heute
arbeiten rund 75.000 Menschen in Österreich in Teilzeit in der Pflege
und Betreuung. Ein Drittel von ihnen würde gerne aufstocken, aber nur
wenn die Bedingungen passen. Österreich hat die Chance, dem
Pflegenotstand entgegenzuwirken. Diese Chance darf nicht ungenutzt
bleiben.“
Wertschätzung ist mehr als Applaus
Tödtling-Musenbichler weiter: „Pflegekräfte leisten täglich
Unvorstellbares. Viele sagen uns: Wir fühlen uns unsichtbar.
Wertschätzung zeigt sich nicht in Sonntagsreden, sondern in guten
Arbeitsbedingungen. Das sind planbare Dienste, faire Bezahlung und
Unterstützung bei Betreuungspflichten. Wenn Pflegekräfte zufrieden
heimgehen und gerne wiederkommen, gewinnen wir die Fachkräfte, die
wir so dringend brauchen.“
Klare Forderungen an die Politik Die Caritas fordert im Namen von
140.000 Pflegekräften in Österreich:
Einheitliche Qualitäts-, Versorgungs- und
Finanzierungsstandards österreichweit
Personalschlüssel für ganz Österreich, die Flexibilität
zulassen und Dienstplansicherheit garantieren
Steuerbefreiung des Pflege-Bonus, damit Mehrarbeit sich lohnt
Faire Bezahlung und Honorierung von Expertise – auch in der
Langzeitpflege
Digitalisierungsfonds, damit die Hände frei werden für die
Pflege am Menschen
Ausbau der Kinderbetreuung und Entlastung für pflegende
Angehörige
„Die richtigen Rahmenbedingungen sind der Schlüssel. Wir wissen,
was zu tun ist. Wenn wir jetzt handeln, können wir die Pflegekrise
beenden und das Pflegesystem zukunftssicher machen.“ fordert Caritas-
Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler abschließend.
Studie
Die Ergebnisse der Studie der UMIT TIROL „Bereitschaft zur
Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit von Teilzeitbeschäftigten in
der mobilen und stationären Langzeitpflege in Österreich“ finden sie
hier.
Wir danken
Die Caritas bedankt sich bei ihren Partner*innen in der Pflege
und Betreuung, der Wiener Städtischen und Essity Austria Vertriebs
GmbH mit der Marke TENA.