Linz (OTS) – Noch immer herrscht massive Einkommensungleichheit
zwischen Frauen
und Männern, wie aktuelle Zahlen deutlich zeigen. Von echter
Gleichstellung am Arbeitsmarkt sind wir noch weit entfernt, besonders
in Oberösterreich.
Vergleicht man Einkommen bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung,
liegt das durchschnittliche Jahreseinkommen von Männern
österreichweit um mehr als 10.500 Euro (18,4 Prozent) über jenem der
Frauen. In Oberösterreich beträgt dieser Unterschied pro Jahr sogar
12.900 Euro (23,7 Prozent). Im Bundesländervergleich ist das der
zweithöchste Wert nach Vorarlberg (27,7 Prozent). Eine Grafik zum
Einkommensunterschied finden Sie hier .
Noch größer ist der relative Unterschied, wenn man auch die Teilzeit-
Einkommen berücksichtigt. Dann verdienen Männer in ganz Österreich um
mehr als ein Drittel (38 Prozent) mehr als Frauen. Das sind monatlich
brutto etwa 950 Euro (Medianwert, 14-mal im Jahr). In Oberösterreich
ist die Diskrepanz noch größer. Hier erhalten Männer pro Monat im
Schnitt fast 1.200 Euro (49 Prozent) mehr als Frauen. Unser
Bundesland weist hier erneut nach Vorarlberg (53 Prozent) den
zweithöchsten Wert auf.
Ein Grund für die in Oberösterreich besonders große Einkommensschere
ist die Aufteilung des Arbeitsmarktes nach Geschlechtern. Männer
arbeiten überdurchschnittlich häufig Vollzeit in der Industrie.
Frauen hingegen vermehrt in Teilzeit und in geringer entlohnten
Dienstleistungsbereichen.
Besonders besorgniserregend ist, dass laut Statistik Austria nur rund
ein Drittel der Einkommensunterschiede durch „beobachtbare“ Faktoren
wie Branche, Arbeitszeit, Beruf oder Betriebszugehörigkeit erklärt
werden kann. Der Großteil dürfte auf direkte oder strukturelle
Diskriminierung zurückzuführen sein.
Transparenz als Schlüssel zur Gleichstellung
Ein zentrales Instrument gegen Entgeltdiskriminierung sind
transparente Einkommensberichte. Sie machen strukturelle
Benachteiligungen innerhalb von Betrieben sichtbar und stärken
Beschäftigte dabei, ihr Recht auf gleiches Entgelt für gleichwertige
Arbeit durchzusetzen.
Die gelebte Praxis sieht aber nach wie vor anders aus. Viele
Unternehmen erstellen erst gar keine Berichte oder machen sie der
Belegschaft nicht ausreichend zugänglich. Zwar sind größere Betriebe
gesetzlich zur Erstellung verpflichtet, wirksame Sanktionen bei
Nichteinhaltung fehlen jedoch. Zudem erschwert die verpflichtende
Anonymisierung konkrete Einkommensvergleiche.
EU-Lohntransparenzrichtlinie bietet Chance
Die neue EU-Lohntransparenzrichtlinie kann einen entscheidenden
Beitrag zu mehr Fairness leisten. Sie muss bis Juni 2026 in
nationales Recht umgesetzt werden. Länder wie Schweden, Island oder
Norwegen zeigen, dass echte Transparenz wirkt. Dort sind Einkommen
einsehbar, Entgeltsysteme werden kontrolliert und bei Verstößen
drohen Sanktionen. Diese Länder weisen deutlich geringere
Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern auf als
Österreich.
Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März bekräftigt die
Arbeiterkammer Oberösterreich ihre Forderungen:
– Gleiche Bezahlung für gleiche bzw. gleichwertige Arbeit
– Ein Recht auf Vollzeitbeschäftigung bzw. auf Stundenaufstockung,
wenn dies im Betrieb möglich ist.
– Ein Recht auf vollzeittaugliche Betreuungs- und Pflegeangebote,
denn noch immer sind es Frauen, die den Großteil der unbezahlten
Sorgearbeit in der Familie übernehmen.
– Flächendeckende kollektivvertragliche Mindestlöhne und -gehälter
von 2.000 Euro brutto bei Vollzeit
– Eine bestmögliche Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie
„ Gleichstellung darf nicht nur ein Symbol am Weltfrauentag sein.
Gerechtigkeit entsteht dort, wo für gleiche Arbeit gleiche Bezahlung
erfolgt “, so AK-Präsident Andreas Stangl.