Wien (OTS) – „Statt Hürden für Weiterbildung abzubauen, werden in der
neuen
Weiterbildungszeit bestehende Barrieren noch verstärkt – das gehört
dringend geändert“, fordert Markus Koza, Sozialsprecher der Grünen.
In der Regierungsvorlage zur Weiterbildungszeit bleibt von der
ehemaligen Bildungskarenz kaum etwas übrig. Nicht nur, dass die
Möglichkeiten für selbst gewählte Weiterbildung, Qualifizierung oder
berufliche Umorientierung gestrichen wurden, es werden auch
zusätzliche Hürden insbesondere für Menschen mit Behinderungen
geschaffen. So mussten in der „alten“ Bildungskarenz bei Absolvierung
eines Studiums Leistungsnachweise in Höhe von 8 ECTS-Punkten erbracht
werden – eine Regelung, die insbesondere Menschen mit Behinderungen
zugutekam. Aufgrund ihres anstrengenden und zeitaufwendigen Alltags
können sie oftmals nur wenige Lehrveranstaltungen besuchen. Im Rahmen
der nun vorgelegten Weiterbildungszeit müssen jedoch 20 ECTS-Punkte –
also mehr als doppelt so viele – nachgewiesen werden. Und das ohne
Ausnahmeregelungen für Menschen mit Behinderungen. Einzig bei
Personen mit Kinderbetreuungspflichten sieht die Regierung eine
Reduktion auf 16 ECTS-Punkte vor.
Ralph Schallmeiner, Sprecher der Grünen für Menschen mit
Behinderung und Pflege, ergänzt: „Die Regierungsvorlage diskriminiert
Menschen mit Behinderungen und pflegende Angehörige. Dass es auch
anders ginge, zeigt der Gesetzesentwurf ja selbst – indem er
Ausnahmen für Menschen mit Kinderbetreuungspflichten vorsieht. Warum
Ähnliches bei Menschen mit Behinderungen und pflegenden Angehörigen
verabsäumt wurde, ist daher völlig unverständlich und deutet erneut
auf komplettes Desinteresse der Regierung in diesem Bereich hin.“
Zudem bleibt völlig unklar, inwieweit für Weiterbildungsmaßnahmen
behinderungsbedingte Unterstützungen wie Gebärdensprachdolmetsch oder
Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz bewilligt werden. „Wenn die
Regierung hier nicht umgehend nachbessert und Klarheit schafft, dann
wird diese Neuregelung ein Paradebeispiel für exkludierende Politik.
Übrig bliebe eine weitere nicht eingelöste Ankündigung der
Ankündigungsweltmeister“, sagt Schallmeiner weiter.
„Wir Grüne fordern die Regierung auf, die Lebensrealitäten von
Menschen mit Behinderungen und pflegenden Angehörigen endlich zu
berücksichtigen“, sagt Koza.