Innsbruck (OTS) – Bisher erklärte der Handel die höheren Preise von
Lebensmitteln in
Österreich im Gegensatz zu Deutschland mit höheren Lohnkosten (obwohl
die AK Tirol dies bereits widerlegt hat), größerer Filialdichte und
höheren Transportkosten aufgrund der alpinen Strukturen.
Bemerkenswert dabei ist allerdings, dass auch in Österreich
hergestellte Produkte im angrenzenden Bayern billiger verkauft werden
als in Österreich selbst, wie ein Preis-Check der AK Tirol ergab.
Untersucht wurden dabei österreichische Produkte, die innerhalb des
REWE-Konzerns (Ö: Billa, Billa Plus; D: REWE) angeboten werden. Das
Ergebnis ist ernüchternd: Von elf ident angebotenen Produkten sind
zehn in Deutschland billiger, eines gleich teuer.
Interessant ist auch der Vergleich der Preise von Eigenmarken der
Diskonter Hofer bzw. Aldi Süd sowie Lidl: Auch hier sind die Produkte
in Deutschland durchwegs billiger als in Österreich. AK Präsident
Erwin Zangerl fordert deshalb erneut mehr Einblick in die
österreichischen Supermarktpreise, ein Ende des Österreich-Aufschlags
und eine Senkung der Preise der in Bayern günstiger angebotenen
österreichischen Produkte. „Es gibt kein logisches Argument dafür,
warum in Österreich hergestellte Waren in deutschen Supermärkten
billiger sind, als in Österreich selbst. Dasselbe gilt für die
Eigenmarken von Diskontern“, stellt Zangerl klar. Zangerl fordert
zudem die Wiederaufnahme der Arbeit der Paritätischen Kommission für
Preis- und Lohnfragen, die seit 1998 nicht mehr zusammengetreten ist.
„Wann, wenn nicht jetzt? Die Kommission hat über Jahrzehnte für
stabile Verhältnisse und einen Ausgleich gesorgt, der Wettbewerbs-
und Preisausschuss soll reaktivert werden, denn die Konsument:innen
und auch der Staat brauchen mehr Einblicke in die Preisgestaltung“,
stellt Zangerl klar.
Dass der deutsche Handel Lebensmittel bzw. Getränke billiger
anbietet als es hierzulande der Fall ist, ist bekannt. Auch die
Argumente, warum dies so ist, sind immer dieselben. Bedingt wird dies
nicht in erster Linie durch Lohnkosten, Filialdichte oder schwierige
Transportwege, sondern durch die große Intransparenz in der
heimischen Lebensmittelbranche aufgrund der marktbeherrschenden
Stellung vier großer Konzerne: Spar, REWE (u. a. Billa, Billa Plus,
Penny, ADEG, BIPA), Hofer und Lidl, die sich mittlerweile über 90 %
des Marktes in Österreich aufteilen. Die Folge sind intransparente
Preise und vielfach auch idente Preise bei Produkten. Fragwürdig
werden die Argumente allerdings, wenn man heimische Produkte sowie
Eigenmarken von Diskontern vergleicht, die in Deutschland fast
durchwegs billiger angeboten werden, wie in Österreich. Und dabei
geht es nicht allein um den bereits medial kritisierten Gösser
Naturradler, der bei REWE im angrenzenden Mittenwald um 0,99 Euro zu
kaufen ist, während er bei BILLA in Innsbruck 1,59 Euro kostet.
Österr. Produkte innerhalb des gleichen Konzerns im Ausland
billiger
Weiter geht es mit der Literflasche Almdudler (original od.
zuckerfrei):
bei REWE in Deutschland (D) 1,59 Ꞓ, Billa Österreich (Ö) 1,99 Ꞓ
Manner Neapolitaner 400 g Packung:
REWE (D) 3,79 Ꞓ
Billa (Ö) 3,99 Ꞓ
Pfanner Eistee Pfirsich 2 l Packung:
REWE (D) 1,99 Ꞓ
Billa (Ö) 2,49 Ꞓ
Red Bull Energy Drink 250 ml Dose:
REWE (D) 1,39 Ꞓ
Billa (Ö) 1,59 Ꞓ
Vöslauer Zitrone 1 l Flasche:
REWE (D) 0,89 Ꞓ
Billa (Ö) 1,25 Ꞓ
Rauch Eistee Pfirsich 1,5 l:
REWE (D) 1,79 Ꞓ
Billa (Ö) 1,99 Ꞓ
Rauch Happy Day Mango 1 l:
REWE (D) 2,96 Ꞓ
Billa (Ö) 2,99 Ꞓ
Handl Kaminwurzerl bzw. Chiliwurzerl je 100 g Pkg:
REWE (D) 2,69 Ꞓ
Billa (Ö) 3,29 Ꞓ
Einzige Ausnahme bildet das 450 g Glas Darbo Rosenmarillen, das
bei REWE gleich viel kostet, wie bei Billa, nämlich 3,69 Euro.
„Die Transportkosten oder das laut Handel in Österreich zu hohe
Lohnniveau werden wohl nicht der Grund für die niedrigeren Preise in
Deutschland sein“, wundert sich Zangerl. Es zeige aber einmal mehr
die Notwendigkeit, die Preise für die Konsument:innen transparent
darzustellen. „Es braucht auch in Österreich ein detailliertes
Monitoring, bei dem Daten von Erzeugerpreisen bis hin zu Bruttomargen
gesammelt werden, wie in Frankreich. In einem gesättigten Markt wie
Österreich, wo tausende Produzenten nur vier Händlern
gegenüberstehen, brauchen wir endlich Transparenz, wie die
Umsatzsteigerungen und Gewinne der Lebensmittelkonzerne entstehen“,
fordert Zangerl. Auch müsse es rechtlich bindende Hinweise auf
Produkten geben, deren Packungsinhalt geschrumpft ist, bei gleichem
Preis. Gäbe es mehr Einblick und Kontrolle, würde es auch keine
Diskussionen über Eingriffe in den Markt benötigen, so Zangerl, der
in diesem Zuge auch die Wiederaufnahme der Arbeit der paritätischen
Kommission für Preis- und Lohnfragen fordert. „Der Markt hat die
Kommission quasi überrollt, seit 1994 wurden keine Regelungen mehr
getroffen und bei Wettbewerb- und Preisfragen kaum noch Akzente
gesetzt. Es ist allerdings an der Zeit, dieses sehr sinnvolle
Instrument wieder in Dienst zu stellen“, sagt Zangerl.
Idente Eigenmarkenprodukte bei Aldi Süd und Lidl D billiger
Auch bei den Eigenmarken der führenden Diskonter Hofer bzw. Aldi
Süd sowie Lidl Österreich und Lidl Deutschland gibt es teils kräftige
Preisunterschiede, die sich beim Einkauf summieren. So ist etwa der
Weizentoast (500 g Beutel) der Marke Grafschafter bei Lidl
Deutschland (D) um 0,69 Euro zu kaufen, während er in Tirol 0,99 Euro
kostet. Dasselbe gilt für den Grafschafter Toast American Style: 1,09
Ꞓ bei Lidl D, 1,89 Ꞓ bei Lidl Österreich (Ö).
Dulano
Rindersaftschinken 100 g
Lidl D 2,29 Ꞓ
Lidl Ö 2,59 Ꞓ
Delikatess Geflügelbrust, Kochschinken 200 g Packung
D 2,79 Ꞓ
Ö 3,79 Ꞓ
Delikatess Edelsalami 150 g
D 1,69 Ꞓ
Ö 2,29 Ꞓ
Milbona
Weißkäse in Salzlake 1500 g
D 7,29 Ꞓ
Ö 7,99 Ꞓ
Milbona Joghurt griechischer Art versch. Sorten 4×150 g Becher
D 1,59 Ꞓ
Ö 2,39 Ꞓ
Käseaufschnitt, 250 g Pkg. Edamer, Tilsiter, Emmentaler
D 2,19 Ꞓ
Ö 2,39 Ꞓ
Käseaufschnitt leicht, 250 g Pkg.
D 2,19 Ꞓ
Ö 2,49 Ꞓ
Käse in Scheiben (Gouda etc.) versch. Sorten, 150 g Pkg.
D 1,19 Ꞓ
Ö 1,69 Ꞓ
Mozarella, Mozarella light
D 0,85 Ꞓ
Ö 0,99 Ꞓ
Combino
Maccaroni, 500 g Beutel
D 0,79 Ꞓ
Ö 0,88 Ꞓ
Kong Strong
Energy Drink Wild Power, Urban Classic Sugarfree 250 ml Dose
D 0,29 Ꞓ
Ö 0,39 Ꞓ
J.D. Gross
Edelbitter Schokolade, 125 g Tafel
D 2,29 Ꞓ
Ö 2,39 Ꞓ
Schoko-Minz Täfelchen, 200 g Packung
D 1,99 Ꞓ
Ö 2,59 Ꞓ
Saskia
Mineralwasser 1,5 l
D 0,29 Ꞓ
Ö 0,39 Ꞓ
Auch bei den Preisen für Reinigungs- und Spülmittel sowie für
Körperpflegeprodukte gibt es Unterschiede:
Cien
Flüssigseife, 500 ml
D 0,65 Ꞓ
Ö 0,85 Ꞓ
Cremedusche, 400 ml, versch. Sorten
D 0,69 Ꞓ
Ö 0,89 Ꞓ
W5
Spezialsalz 2 kg Pkg.
D 0,80 Ꞓ
Ö 0,95 Ꞓ
Spülmittel
D 0,95 Ꞓ
Ö 1,15 Ꞓ
Hygienereiniger
D 1,65 Ꞓ
A 1,95 Ꞓ
Auch die (wenigen) österreichischen Markenprodukte sind bei Lidl
Deutschland billiger, darunter der bereits bekannte Gösser
Naturradler um 0,99 Euro (Ö 1,55 Ꞓ) sowie der Pfanner Eistee 2 l
Packung, verschiedene Sorten um 1,39 Euro (Ö 2,49 Ꞓ).
Dasselbe Bild zeigt sich beim etwas weniger Eigenmarken führenden
Diskonter Aldi Süd (Deutschland) bzw. Hofer (Österreich):
Rio d´Oro
Apfelsaft Direktsaft naturtrüb, 1 l Pkg.
D 1,39 Ꞓ
Ö 1,49 Ꞓ
River
Cola, Dose 330 ml
D 0,29 Ꞓ
Ö 0,39 Ꞓ
Moser Roth
Mousse Schokolade
D 2,69 Ꞓ
Ö 2,99 Ꞓ
Moser Roth Dunkles Sortiment Edelbitter
D 2,29 Ꞓ
Ö 2,39 Ꞓ
BBQ
Landbaguette
D 1,29 Ꞓ
A 1,39 Ꞓ
Milsani
Joghurt 3,5 Prozent 4x 150 g
D 0,99 Ꞓ
Ö 1,19 Ꞓ
Frische Vollmilch 3,5 % 1 l
D 1,09 Ꞓ
Ö 1,39 Ꞓ
Gouda jung, 400 g Pkg
D 2,99 Ꞓ
Ö 3,29 Ꞓ
Butterkäse, 400 g Pkg.
D 2,99 Ꞓ
Ö 3,79 Ꞓ
Milsani Süßrahmbutter 250 g Pkg.
D 1,99 Ꞓ
Milsani Teebutter 250 g Pkg.
Ö 2,39 Ꞓ
„Bei den Produzenten der Eigenmarken handelt es sich nicht um
internationale Konzerne, die in ihrem Portfolio eine Vielzahl an
Produkten halten und die Aufschläge diktieren, es sind hier
Unternehmen und Produzenten aus Deutschland, Österreich oder Italien,
die für die Diskonter Eigenmarken herstellen. Pasta für Lidl stammt
aus Italien, hat nach Deutschland also weitere Transportwege als nach
Österreich, trotzdem gibt es auch hier einen Österreich-Aufschlag.
Auch bei den Eigenmarken der Diskonter zeigt sich, wie wichtig
Transparenz und das Nachvollziehen der Wertschöpfungskette ist. Denn
in Österreich zahlen die Konsument:innen drauf, auch wenn die
Produkte – wie es der Handel gern verbreitet – aus dem
„Lohnniedrigland“ Deutschland kommen“, so Zangerl abschließend.