Wien (OTS) – Drei Wochen lang hieß es in ganz Österreich: Augen auf
und
Schmetterlinge zählen. Mehr als 1.000 Menschen beteiligten sich vom
20. Juli bis 9. August 2026 an der Großen Schmetterlingszählung von
Blühendes Österreich – BILLA gemeinnützige Privatstiftung und „Natur
im Garten“. Für die Zählung galt es, 15 Minuten lang Schmetterlinge
an einem sonnigen Ort zu beobachten und die Funde über die App
„Schmetterlinge Österreichs“ zu erfassen. Insgesamt kamen so 17.456
Schmetterlingssichtungen zusammen. Am häufigsten gemeldet wurde der
Kaisermantel mit 1.981 Sichtungen, gefolgt vom Großen Ochsenauge mit
1.723 und dem Russischen Bären mit 1.423 Sichtungen. Die Große
Schmetterlingszählung ist Teil des Citizen-Science-Projekts
„Schmetterlinge Österreichs“.
Die zehn am häufigsten gemeldeten Schmetterlingsarten der Großen
Schmetterlingszählung 2026:
1. Kaisermantel: 1.981 Meldungen
2. Großes Ochsenauge: 1.723 Meldungen
3. Russischer Bär: 1.423 Meldungen
4. Kleiner Kohl-Weißling: 1.149 Meldungen
5. Hauhechel-Bläuling: 1.127 Meldungen
6. Distelfalter: 518 Meldungen
7. Kleines Wiesenvögelchen: 465 Meldungen
8. Admiral: 456 Meldungen
9. Graubindiger Mohrenfalter: 416 Meldungen
10. Taubenschwänzchen: 330 Meldungen
Die eingegangenen Sichtungen werden aktuell für den Jahresbericht
2026 fachlich verifiziert. Daher kann es bei den angeführten
Ergebnissen noch zu geringfügigen Änderungen kommen.
Dr. Peter Huemer, Schmetterlingsexperte der Tiroler Landesmuseen,
erläutert: „Admiral und Taubenschwänzchen schaffen seit einigen
Jahren die Überwinterung in den Alpen und profitieren zweifellos von
milderen Wintern. Beide Arten sind aber grundsätzlich im Juli und
August häufiger. Das trifft vor allem auch für den Kaisermantel zu,
der eine typische Hochsommerart mit nur einer jährlichen Generation
ist und daher um diese Jahreszeit besonders häufig vorkommt.“
Zwtl.: Zehn Jahre Schmetterlingsapp
Das Citizen-Science-Projekt „Schmetterlinge Österreichs“ ist
mittlerweile zehn Jahre alt. Seit dem Start der Schmetterlingsapp
2016 wurden 1.241.511 Schmetterlingsfunde in ganz Österreich
gemeldet. Mit 31.057 App-User:innen gehört die App „Schmetterlinge
Österreichs“ zur einer der größten Schmetterlingsplattformen Europas.
Zwtl.: Daten für Forschung und Rote Listen
Die über die Schmetterlingsapp gesammelten Daten fließen
anonymisiert über die Tiroler Landesmuseen in die GBIF (Global
Biodiversity Information Facility), die weltweit größte
Biodiversitätsdatenbank. Darüber hinaus werden die Daten für die
Erstellung der Roten Listen in Österreich genutzt.
Damit leisten die Citizen Scientists einen wichtigen Beitrag
dazu, die Verbreitung heimischer Schmetterlinge zu dokumentieren. Dr.
Michael Jungmeier, Inhaber des UNESCO Lehrstuhls für das Management
von Schutzgebieten an der Hochschule Kärnten und Vorstand Blühendes
Österreich, betont: „Wenn tausende Menschen Schmetterlinge beobachten
und melden, entsteht über die Jahre ein Datenschatz, der
Veränderungen sichtbar machen und wichtige Grundlagen für Forschung
und Naturschutz liefern kann.“
Welchen Wert dieser Datenschatz hat, zeigt die nun vorliegende
wissenschaftliche Auswertung der Schmetterlingsmeldungen aus dem Jahr
2025.
Zwtl.: Jahresauswertung 2025
Insgesamt gingen 2025 137.722 Schmetterlingsmeldungen ein.
Darunter befanden sich 181 Tagfalterarten und damit rund 84 Prozent
aller bisher in Österreich nachgewiesenen Tagfalterarten.
Am häufigsten wurde 2025 das Tagpfauenauge mit 6.415 Meldungen
beobachtet. Auf den weiteren Plätzen folgten das Große Ochsenauge mit
5.091 und der Admiral mit 4.345 Meldungen.
Die zehn am häufigsten gemeldeten Schmetterlingsarten im
Gesamtjahr 2025:
1. Tagpfauenauge: 6.415 Meldungen
2. Großes Ochsenauge: 5.091 Meldungen
3. Admiral: 4.345 Meldungen
4. Hauhechel-Bläuling: 3.808 Meldungen
5. Distelfalter: 3.039 Meldungen
6. Kleiner Kohl-Weißling: 3.008 Meldungen
7. C-Falter: 2.931 Meldungen
8. Zitronenfalter: 2.828 Meldungen
9. Kaisermantel: 2.782 Meldungen
10. Kleines Wiesenvögelchen: 2.636 Meldungen
Die meisten Tagfalterarten wurden 2025 in Niederösterreich mit
143 Arten gemeldet. Es folgen Tirol mit 123 und Vorarlberg mit 122
Arten. In der Steiermark wurden 119, in Kärnten 114 und in
Oberösterreich 108 Arten dokumentiert. In Wien wurden mit 81 Arten
erwartungsgemäß die wenigsten Tagfalterarten festgestellt.
Es wurden insgesamt 2.366 Meldungen von 32 besonders
naturschutzrelevanten Tagfalterarten dokumentiert. Dazu zählen Arten
der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) sowie Arten, die in der
Roten Liste der Tagfalter Österreichs als „vom Aussterben bedroht“
oder „stark gefährdet“ eingestuft sind.
Zu den bemerkenswertesten Tagfalter-Funden 2025 zählt der
Kardinal ( Argynnis pandora ). Am 19. Juli gelang ein Nachweis in der
Wiener Prater-Hauptallee. Klimatische Veränderungen und günstige
Witterungsverhältnisse dürften zu den vermehrten Nachweisen
beigetragen haben.
Nennenswert waren auch die Nachweise des Wegerich-Scheckenfalters
( Melitaea cinxia ) in Wien. Der letzte historische Nachweis der Art
in Wien stammte aus dem Jahr 1950. Mittlerweile liegen wieder
einzelne Funde aus dem Wiener Stadtgebiet vor, unter anderem aus dem
Lainzer Tiergarten und der Lobau.
Ein bedeutsamer Fund gelang am 18. August im 18. Wiener
Gemeindebezirk: Erstmals wurde der Pelargonien-Bläuling ( Cacyreus
marshalli ) in Wien nachgewiesen. Über die Schmetterlingsapp waren
zuvor Erstnachweise für Kärnten, Vorarlberg und Niederösterreich
dokumentiert worden. Damit ist die Art mittlerweile in allen
österreichischen Bundesländern mit Ausnahme von Oberösterreich und
dem Burgenland nachgewiesen.
Schmetterlingsexperte DI Dr. Helmut Höttinger erklärt: „Der
Pelargonien-Bläuling stammt ursprünglich aus Südafrika und wurde vor
über 35 Jahren vermutlich mit Zierpflanzenimporten nach Europa
eingeschleppt. Die Raupen ernähren sich von Pelargonien-Arten. Er
kann den Winter im Freiland in Österreich jedoch nicht überstehen und
ist somit nicht bodenständig. Daher gilt es, Pelargonien in
Parkanlagen, Gärten und auf Balkonen besonders im Blick zu behalten
und Beobachtungen über die App zu melden. Jede Meldung hilft dabei,
die weitere Ausbreitung der Art besser zu dokumentieren.“
Zwtl.: Kooperation für Österreichs Schmetterlinge
Mit ihrer Kooperation schaffen Blühendes Österreich und „Natur im
Garten“ eine europaweite naturschutzfachliche und wissenschaftliche
Leuchtturmzusammenarbeit zwischen einer öffentlichen und einer
privatwirtschaftlichen Institution.
Christa Lackner und Matthias Wobornik, Geschäftsführung von
„Natur im Garten“, betonen: „Der beste Schutz für Schmetterlinge
beginnt vor der eigenen Haustür – mit mehr Natur in Gärten, auf
Balkonen, Terrassen und in öffentlichen Grünräumen. Es freut uns
sehr, Teil des Citizen-Science-Projekts zu sein und uns gemeinsam mit
Blühendes Österreich mit gebündelter Kraft für Umwelt-, Klima- und
Artenschutz zu engagieren.“
Der vollständige Jahresreport 2025 mit Detailauswertungen für
jedes Bundesland steht hier zum Download bereit: Schmetterlinge
Österreichs – Jahresauswertungen der Schmetterlingszählungen |
Blühendes Österreich
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie unter http://bild.ots.at