Wien (OTS) – „Der Gender Pension Gap ist das Ergebnis struktureller
Ungleichheiten
am Arbeitsmarkt sowie der unausgewogenen Verteilung von Sorgearbeit
und nicht mangelnder privater Vorsorge. Wer aufgrund niedriger
Einkommen oder Teilzeit kaum Geld zum Sparen hat, kann diese Lücke
auch privat nicht schließen“ , betont Volkshilfe-
Geschäftsleitungsmitglied Judith Ranftler. „Wir stehen für ein
starkes solidarisches Umlagesystem, das allen Menschen Sicherheit im
Alter bietet und sich gerade in Krisenzeiten bewährt.“
Der Gender Pension Gap liegt in Österreich auch 2026 bei 39,4
Prozent. Das heißt, die durchschnittliche Pension von Frauen ist um
fast 40 Prozent geringer als jene von Männern. Darüber hinaus liegt
der Median der Frauenpensionen weiterhin deutlich unter der
Armutsgefährdungsschwelle. Männer haben mit 9. August bereits so viel
Pensionsgeld am Konto wie Frauen es erst am Jahresende erreichen.
Österreich weist damit die zweithöchste Pensionslücke Europas auf.
Die Volkshilfe fordert zum Equal Pension Day entschlossene
Maßnahmen gegen Altersarmut von Frauen. 19 Prozent der Frauen ab 65
Jahren sind armutsgefährdet. Das ist deutlich mehr als bei Männern (
13 Prozent) und der Gesamtbevölkerung (16 Prozent). Besonders
dramatisch ist die Lage alleinlebender Pensionist*innen: 28 Prozent
der alleinlebenden Frauen mit Pension sind armutsgefährdet, zehn
Prozent von materieller und sozialer Deprivation betroffen.
Was es braucht, ist der Ausbau von Kinderbetreuung und die
Anhebung der Mindestpensionen. „Die Volkshilfe fordert den
flächendeckenden Ausbau qualitativ hochwertiger Kinderbetreuung, die
mit Vollzeitarbeit vereinbar ist. Auch wenn Kanzler Stocker
Kinderbetreuung nicht als wertvolle Arbeit sieht, sondern als Akt
weiblicher Solidarität verstanden haben will. Ansonsten werden es
weiterhin Frauen sein, die überwiegend die unbezahlte Sorgearbeit
erledigen und am Ende mit unzureichenden Pensionen dastehen. Als
kurzfristige Maßnahme bedarf es der Anhebung des
Ausgleichszulagenrichtsatzes, um Personen mit geringen Pensionen
unmittelbar zu entlasten. Nur mit strukturellen Reformen lässt sich
Altersarmut von Frauen wirksam bekämpfen und soziale Gerechtigkeit
schaffen“, schließt Ranftler.