Wien (OTS) – Eine im September vorgelegte Studie im Auftrag des
Kulturausschusses
des Europäischen Parlaments bestätigt, was Lehrer in Österreich
täglich erleben. Es fehlen qualifizierte Lehrkräfte, und viele Junge
verlassen den Beruf nach kurzer Zeit wieder. In Österreich hatten
laut Studie im Schuljahr 2022/23 fast 58 Prozent jener Lehrkräfte,
die gekündigt haben, weniger als fünf Jahre Berufserfahrung. Das ist
der höchste Wert unter den sechs Ländern, für die solche Daten
vorliegen. „Die Studie beschreibt das Symptom genau. Über die
Zustände in vielen Klassenzimmern verliert sie auf 75 Seiten kaum ein
Wort“, sagt die freiheitliche EU-Abgeordnete Elisabeth Dieringer.
Migration kommt in dem Bericht nur als Randbemerkung vor.
Schüler, die dem Unterricht sprachlich nicht folgen können, tauchen
einzig in der Fallstudie zu den Niederlanden auf, und zwar als
Kriterium für eine Gehaltszulage. Die österreichischen Zahlen zeigen,
worum es geht: Laut Österreichischem Integrationsfonds galten im
Schuljahr 2025/26 in Wien 50,9 Prozent der Schulanfänger der 0. und
1. Schulstufe wegen unzureichender Deutschkenntnisse als
außerordentliche Schüler. Österreichweit waren es im Schuljahr davor
mehr als 50.800 Schüler, an Volksschulen rund elf Prozent.
„Wenn die Hälfte der Taferlklassler kein Deutsch versteht, ist
normaler Unterricht nicht möglich. Die Lehrerin wird zur
Sprachtrainerin, Sozialarbeiterin und Dolmetscherin in einer Person,
und mit all dem lässt man sie allein. Wer sich wundert, warum junge
Lehrer nach wenigen Jahren aufgeben, soll sich diese Klassen
ansehen“, so Dieringer.
Für die EU-Ebene empfiehlt die Studie weitere Indikatoren,
Austauschprojekte über Erasmus+, Initiativen im Rahmen der
Europäischen Säule sozialer Rechte und die Einbindung von
Lehrervertretern in das Europäische Semester. „Brüssel antwortet auf
überforderte Klassen mit Monitoring. Keine dieser Maßnahmen bringt
einer einzigen Volksschule eine zusätzliche Förderkraft“, kritisiert
Dieringer. Bildung sei nach den EU-Verträgen Sache der
Mitgliedsstaaten. Die Studie selbst hält fest, dass die EU-
Lehrerpolitik über das Europäische Semester und die Wiederaufbaupläne
in den vergangenen Jahren immer weiter in die nationalen Systeme
vorgedrungen ist. Zudem bringt der Autor die EU-Beschäftigungspolitik
mit zunehmend prekären Arbeitsverhältnissen in Verbindung, die den
Lehrerberuf unattraktiver machen.
„Unsere Schulen tragen die Folgen einer jahrelang verfehlten
Zuwanderungs- und Integrationspolitik. Deutsch muss sitzen, bevor ein
Kind in den Regelunterricht kommt. Dafür braucht es verbindliche
Sprachförderung schon im Kindergarten und zusätzliches Personal an
den Schulen, damit Lehrer wieder unterrichten können, statt Lücken zu
stopfen, für die sie nicht ausgebildet sind“, so Dieringer.